Die Falafels

Angefangen haben wir 2009 als eine palästinensisch-israelische Theatergruppe aus dem Schöneberger Norden. Hier wohnen viele Menschen palästinensischer Herkunft. Erste vorsichtige beidseitige Gespräche begannen in der Zeit nach dem letzten Gaza-Krieg. „Es ist sehr schmerzhaft, aber nicht tödlich“ meinte einer unserer palästinensischen Darsteller im Interview mit dem Deutschlandfunk „wir müssen die Kommunikation und das friedliche Zusammenleben wagen, denn alles andere ist tödlich“. Gewagt werden sollte der erster Schritt auf diesem schwierigen Terrain mit einer gemeinsamen Theaterproduktion. Wir begannen einen Prozess des Lernens, dass gemeinsam und kooperativ handeln, sich aufeinander einlassen und verlassen, im Ergebnis etwas Befriedigendes und Wertvolles hervorbringt. Wichtig war für uns, mit Theater eine Form gefunden zu haben, dieses künstlerisch auszudrücken, nach außen zu transportieren, und andere zum Nachdenken zu bringen. Wir tragen das Theater zu denen, die nicht ins Theater gehen. Dass unsere palästinensisch-israelische Theatergruppe ihre Premiere mit dem Appell an ein friedliches, kooperatives und gewaltfreies Miteinander auf dem Gelände des ehemaligen Sportpalastes in den Stadtraum trug, hat eine gewisse Symbolkraft.

 
Die Falafels im November 2010, Foto © Gerhard Haug, Berlin


Wir setzten uns anhand dieses Stückes intensiv mit der Frage auseinander, was es heißt, Palästinenser oder Israeli zu sein, was es bedeutet, in einer von beiden Familien aufzuwachsen und was der Konflikt mit den Menschen macht und die Menschen mit dem Konflikt. 

Wir setzten bei unseren Erfahrungen als Jugendliche an. Wir setzten uns sowohl mit der Situation im Nahen Osten als auch unserem Zusammenleben in Berlin auseinander, mit dem Erbe unserer Geschichte aber auch mit unseren Sehnsüchten und Hoffnungen für eine andere Zukunft. Wir suchten mit fachlicher Unterstützung nach Worten und Formen, um das, was uns diesbezüglich bewegt, auszudrücken. In dem Theaterstück spielen nicht nur Palästinenser die Rolle von Palästinensern sondern es gibt einen Rollentausch, der einen intensiven Zugang zu dem Leben der jeweils anderen ermöglichte. Die Erfahrung der Kooperation, gegenseitiges Zuhören und Rollenspiele waren dabei ebenso wichtig für unsere Arbeit wie sich Wissen über das Thema zu erarbeiten und zu diskutieren. Wir beschlossen, uns regelmäßig 1x pro Woche zu treffen und arbeiteten mittels spielerischer Improvisation, Recherche und Gespräch.

 
Die Falafels im Januar 2011, Foto © Gerhard Haug, Berlin

Während der Arbeit veränderte sich unser Fokus, weg von der palästinensischen und der jüdischen Familie in Libanon und Israel, hin zu einem Stück über palästinensische und jüdische Jugendliche in Berlin und ihr Verhältnis zueinander. Wir erarbeiteten gemeinsam unser neues Stück „Halbmond loves Davidstern“. Es zeigt die familiären, religiösen und kulturellen Fallstricke, die mit einer solchen Liebe einhergehen und zu überwinden sind. 

Wir beschäftigten uns bei der Erarbeitung dieses Stücks zwar weiterhin mit Themen wie Nahost Konflikt, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, der Beziehung zwischen Israeli und Palästinensern, aber vor allem auch mit Themen wie Tradition, Beziehung, Lebensumfeld, Religion und Liebe.

Wir lernten ehrlicher mit unseren Gefühlen und Sehnsüchten umzugehen und dabei Gemeinsamkeiten jenseits von Religion und Nationalität zu entdecken und zuzulassen. 

Der Premiere am 02.07.2010 folgten mehrere Aufführungen im Interkulturellen „Garten der Künste“ in Berlin-Schöneberg.

Eine weitere Darbietung gab es in der Robert-Blum-Oberschule mit mehreren 100 SchülerInnen als Gäste, die konzentriert und aufmerksam zuschauten.

 
Die Falafels im August 2012, Foto © Gerhard Haug, Berlin

In der anschließenden Diskussion hoben vor allem muslimische Schülerinnen den Mut, mit solch einem Stück an die Öffentlichkeit zu gehen, hervor und drückten ihre Freude darüber aus. 


Die Falafels im September 2012, Foto © Gerhard Haug, Berlin